Baubericht Kinderprojekt Schaufelraddampfer selbst.de

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Baubericht Kinderprojekt Schaufelraddampfer selbst.de

      Hallo zusammen,

      meine Kinder (5 und 7) haben sich ein Boot (eigentlich konkret einen Raddampfer) gewünscht und ich habe gesagt, dass ich ihnen helfe, eins zu bauen. So bin ich nach über 30 Jahren mal wieder zu einem Bootsprojekt gekommen... Ich habe etwas einfaches gesucht, das sich einigermaßen leicht bauen lässt, wenige Details hat und trotzdem mit den klassischen Techniken nach alter Väter Sitte (Spanten und Leistenrumpf) gebaut wird. Ich bin dann auf diesen Raddampfer gestoßen:

      selbst.de/modellboot-selber-bauen-15973.html

      Den werden wir jetzt bauen, Ziel ist Fertigstellung im Juni / Juli. Mir ist klar, dass ich sehr vieles daran machen werde, aber ich will die beiden schon heranführen an grundlegende Handarbeiten (Messen, Schleifen, Kleben usw.). Außerdem sollen sie verstehen, wie so ein Boot grundsätzlich gebaut wird und warum und wie es in Form kommt. Insbesondere bei den langweiligen Themen (50 Leisten oder so) werde ich wohl viel ran müssen.

      Wichtig: Das Boot ist für meine Kinder, die werden also damit spielen und fällen auch alle Entscheidungen zum Aussehen und zur Funktion. Die haben ja nichts davon, wenn ich ihnen einfach ein Boot vor die Nase setze. Sie sollen sehen, was sie schaffen können.

      Änderungen zum Originalplan:
      - Spanten, Kiel und Kielbrett 4 statt 6,5 mm (weil der Lasercutter nur 4mm sauber schafft)
      - Beplankung mit 5 x 3 mm Kiefer statt 5 x 5
      - Montageöffnung für Motoren und Fernsteuerung auf die Größe des Deckshauses vergrößert (warum hat man das überhaupt kleiner vorgesehen?)
      - getrennte Steuerung für die beiden Schaufelräder (Panzersteuerung). Evtl. lassen wir das Ruder ganz weg, mal sehen.
      - Abstützung der beiden Auslegerplatten für die Radhäuser mit Querstreben, die an den Spanten befestigt werden (durch die Bootshaut gehen)
      - Aufbauten, Schaufelräder etc. werden ineinander geklinkt, dadurch lässt sich das Ganze zusammenstecken und muss nur noch geleimt werden. Solche Verklinkungen lassen sich mit dem Lasercutter sehr gut fertigen.

      Herausforderung:
      - Ich habe noch nie mit GFK gearbeitet, da bin ich mal gespannt. Werde dann zu gegebener Zeit auch Tipps zur Produktwahl etc. benötigen.
      - Lagerung der Antriebswellen, da es keine durchgehende Welle geben wird. Mal sehen, wenn es soweit ist.

      Ich habe - teilweise beruflich bedingt - ein Faible für Digital Fabrication. Es gibt über ganz Europa (eigentlich die ganze westliche Welt) verteilt Fablabs, in denen 3D-Drucker, CNC-Maschinen, Lasercutter, etc. verfügbar sind. Viele der Labs haben wöchentliche Open Hours, zu denen die interessierte Öffentlichkeit eigene Projekte verfolgen und den Maschinenpark nutzen kann. Das ist vielleicht für einige hier interessant.

      Letzte Woche ist der Plan gekommen, den habe ich digitalisiert und heute über den Lasercutter gejagt. Was dabei rausgekommen ist, sieht man auf den Bildern. Zusammengesteckt sieht das schon ganz gut aus. Das Gerippe wirkt durch das präzise ausgeklinkte Deck so stabil, dass ich überlege, auf die Helling zu verzichten. Eigentlich hatte ich die Spanten oben extra verlängert für eine Helling. Mal sehen.

      Viele Grüße,
      Thomas

      IMG_5743.JPGIMG_5744.JPGIMG_5748.JPG

      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von tomzero ()

    • Zwischenfazit Beplankung

      Wie erwartet wurden die Kinder beim Beplanken von akuter Bocklosigkeit befallen. Ich schätze, dass die Heilung genauso rasant verläuft, sobald es ans Bemalen geht. Immerhin gibt es bereits verschiedene Farbkonzepte, die zwischen den beiden engagiert diskutiert werden:

      IMG_5757.JPG

      Ich persönlich finde die Regenbogenstreifen horizontal am besten, aber wir müssen abwarten, was die beiden dann letztlich wirklich machen.

      Die Beplankung geht ziemlich langsam voran, da verschiedene selbstverschuldete Umstände zusammenkommen: Bei 4 mm Spanten kann man nicht wirklich nageln und durch Kiefernleisten gehen ohne Vorbohren keine Modellbaunadeln durch. Doof. Also versuche ich, das Ganze mit Klemmen zu lösen:

      IMG_5758.JPG

      Das geht aber nur so lange, bis das Deck im Weg ist. Das Deck ist im Weg, weil die Bauanleitung zu dem Plan vorsieht, das Deck bereits am Anfang einzukleben. Die nehmen aber auch 6,5 mm Spanten, in die man nageln kann... Und hätten wir das Deck nicht am Anfang eingeklebt, hätten wir eine Helling bauen müssen. Also sind die ersten 20 Planken jeder Seite mit Klemmen fixiert und die weiteren klebe ich unter Mithilfe von Weckgummis an:

      IMG_E5760.JPG

      Mühsam ernährt sich also das Eichhörnchen.

      Mein Rat für die Beplankung: Entweder mit Balsaleisten und Modellbaunadeln beplanken oder 6 mm Spanten nehmen und nageln.

      Im Großen und Ganzen macht das aber einen Riesenspaß. Das ist mein erster mit Leisten beplankter Rumpf und ich kann buchstäblich stundenlang gedankenverloren dasitzen und den geschwungenen Linien der Planken mit den Augen folgen. Gaga, ich weiß. Erster Rumpf mit Leisten: Als jugendliches Mitglied in der Schüler-AG "Junge Schiffsmodellbauer" in der DDR hatte zumindest ich keinen Zugang zu ausreichend Leisten. Da wurde der Rumpf mit Papier und Holzleim in mehreren Lagen kaschiert und dann mit Holzkitt gespachtelt...

      Soviel vorerst von mir, ich melde mich wieder, wenn der Rumpf geschliffen ist.
    • Rumpf spachteln - wie und womit?

      Hallo zusammen,

      der Rumpf ist nun geschliffen:


      IMG_5777.jpg
      IMG_5779.jpg
      IMG_5780.jpg
      IMG_5781.jpg

      Der Zustand auf den Bildern ist nach dem Bearbeiten mit der Raspel, danach haben wir noch mit 120er geglättet.

      Jetzt geht es ans Spachteln. In der Baubeschreibung steht:

      1. Spachteln mit Zweikomponenten Spachtel

      2. Schleifen

      3. Laminieren mit einer Lage Glasfaservlies und Epoxidharz

      Tja, da ist nun guter Rat teuer. Das ist für mich alles vollkommen neu, früher habe ich mit Holzkitt (ein synthetisches Gemisch mit Holzfasern) gespachtelt. Daher ein paar Fragen:

      - Ist das tatsächlich das richtige Vorgehen? Die Planken sind 3mm Kiefer. Es gibt ein paar (ca. 10) Spalte von ca. 0,5 mm Breite zwischen einzelnen Planken.

      - Welches Produkt "Zweikomponenten Spachtel" sollte man nehmen?

      - Welches Glasfaservlies und Epoxidharz sollte man verwenden?

      - Welche Bezugsquellen schlagt ihr vor?

      Vielen Dank im Voraus für Eure Hilfe und Unterstützung.

      Im Übrigen habe ich diesen Thread mit "Anfänger" getaggt. Evtl. kann hier eine Hilfestellung für Anfänger entstehen. Ich dokumentiere hier zumindest alles, was wir so falsch machen...

      Viele Grüße,
      Thomas
    • Hallo,
      Der Rumpf ist wirklich schön geworden.
      Grosses Lob.
      Die Versiegelung ist jetzt tatsächlich mit ein bisschen Strategie verbunden. Zuerst Mal gilt es einzuschätzen wie gut der Rumpf schon fertig geschliffen ist. Wenn noch was abzuschleifen ist, machst du es am besten jetzt noch, da Holz einfacher zu schleifen ist als Spachtel oder Glasmatte. Vor allem ist's blöd die Matte dann wieder für die durch zu schleifen bis auf das Holz.
      Es sollten auch keine Holzspäne mehr abstehen. Also entsprechend Feinschliff.
      Außerdem musst du garantiert nach der Glasfasermatte noch Mal spachteln und schleifen, wenigstens um die Gewebestruktur wegzubekommen. Und man findet immer wieder Dellen, die man übersehen hat.
      Du könntest also auch erst die Matte auftragen und danach spachteln. Da die Matte aber eine Verbindung mit dem Untergrund haben sollte, musst du alle Löcher und Spalten erst zuschmieren. Das wäre mit angedicktem Epoxidharz möglich. Das klebt auch noch supergut.
      Du bräuchtest also 24 Std. Exoxidharz, Microballons zum andicken und Glasmatte. Spachteln kannst du dann auf die Matte mit Autokarosserie Feinspachtel.
      Kaufen könntest du es bei Conrad, die haben auch sehr feines Glasgewebe. Da gibt's unterschiedlich weiches Zeug. Ich würde dir zu 2 verschiedenen Stärken raten. 25 g und 50 g. Es gibt billigere Anbieter, aber du brauchst ja nicht viel. Dann noch ein paar billige Pinsel, wegwerfhandschuhe und alte Klamotten.
      Bei dem 24 Std Harz gibt's keine Probleme mit der Verarbeitungszeit, ist also nicht so hektisch. Nehmt euch Zeit es dauert immer viel länger als geplant. Dein Rumpf ist recht unproblematisch, nur an der ruderhacke wirst du wohl die Matte Stückeln müssen.
      Ein Anfängerfehler ist auch immer Harz und härter nicht gut genug zu mischen oder das falsche Verhältnis. Dann wird das nie trocken.
      Verhältnis kann man mit Feinwaage, Messbecher oder grossen Spritzen gut bestimmen.

      VG Ferdinand
    • Noch zur Ergänzung. Den Schritt Löcher und Spalten mit angedicktem Epoxidharz schließen und dann Matte auftragen solltest du unmittelbar hintereinander machen.
      Wenn du als letzte Matte die 25 g nimmst, musst du nicht so viel schleifen weil die Gewebestruktur sehr fein ist. Das Gewebe eignet sich auch fürs Oberdeck als Versiegelung. Man kann dann einfach mit Klarlack oder der gewünschten Farbe drüberstreichen. Ist um Welten stabiler als nur eine Lackierung.
      VG Ferdinand
    • Hallo Thomas,

      das Boot ist wirklich ein Projekt wert, hast du gut gebaut.
      Für meine Enkel und gemeinsame Aktivitäten würde ich den Dampfer
      auch gerne bauen. Kann man die Vektor Dateien über Dich erhalten ?
      Unsere Fräse würde sich freuen .

      Was die Beschichtung mit Gfk Matte und Epoxy Harz angeht kann ich dem Ferdinand nur recht geben, möchte nur ergänzen, dass ein paar dünne Handschuhe (Untersuchungshandschuhe wie beim Arzt)
      wirklich hilfreich sind.


      Gruß

      Julius
      julius

      Fahrbereit:
      Torpedo 1/8
      Torpedo 1/6
      Tiller Projekt
      O-Jolle
      Catboat Molly
      Emma
      Ghost
      Im Bau :
      Alzeda
      Seeadler
    • Hallo Burkhard, na das freut mich doch. Zum Verleimen des Decks am Anfang hatte ich ja schon was geschrieben: Ich würde an deiner Stelle jetzt mit Balsa beplanken, sonst bekommst Du bei den Planken in Deckshöhe Probleme mit dem Festklemmen. Ich habe es auf der Steuerbordseite dann zwar weitgehend ohne Gummis hinbekommen, war aber ein ziemlicher Akt.
    • Hallo,
      Bei Mahagonibooten hält das auch nicht, wenn das nicht extrem genau gemacht wird. Da sind ja bis 10 Schichten Lack drauf. Da Holz ein lebendes Material ist und auf Temperatur reagiert gibt's halt früher oder später kleine Risse im Lack und bei Wasserkontakt platzt er dann ab. Oder Mal ne Schramme beim Transport. GFK ist halt super stabil. Und den ganzen Rumpf spachteln und schleifen ist doch eine viel größere Sauerei als eine GFK Matte drauf.
      Ich bin halt ein Fan von gleich richtig gemacht.
      VG Ferdinand
    • Vielen Dank für das Lob! Der Rumpf ist so geschliffen, dass es keine Dellen oder vorstehende Stellen mehr gibt. Ist schön glatt, ein Handschmeichler. Was eben mit 120er Schleifleinen so möglich ist. Vom Raspeln sind eine ganze Menge oberflächliche Riefen (weniger als 1/10 tief) geblieben, die beim Spachteln verschwinden werden. Mit der Fingerspitze bemerkt man sie nicht.

      Wenn ich Eure Hinweise mal zusammenfassen darf:

      1. 24h Epoxidharz mit Mikroballons anmischen, so dass eine zähfließende Masse entsteht, mit der ich die Ritzen und Riefen verschließe. Mit Japanspachtel glattziehen.

      2. Bevor das trocken ist eine Lage Glasfaser 50g/m^2 auflaminieren. Dazu verwende ich dasselbe Epoxidharz, aber ohne Mikroballons. Frage dazu: wird bei diesem Schritt das Epoxidharz vor oder nach der Glasmatte aufgetragen?

      Ferdinand hatte von 50g und 25g Glasmatte geschrieben. Heißt das, dass ich zwei Lagen übereinander laminieren soll? Zuerst 50 und danach 25?

      Im Übrigen müssen wir zuerst noch die Ausleger für die Radkästen ankleben. Haben wir heute angezeichnet und ausgeschnitten. Backbordseite mit der Laubsäge ging schlecht (sehr wellige Schnittkante, viel Schleifen). Besser war die Steuerbordseite: Anriss mit dem Skalpell und einer Ahle nachgezogen, dann mit dem Proxxon und einer Korundscheibe abgeschnitten.

      IMG_5790.jpg

      Hinweis zu den Auslegern: Dass die nachträglich angeklebt werden finde ich ziemlich doof. Einfacher wäre es gewesen, die entsprechenden Spanten seitlich mit Schlitzen zu versehen, ebenso die Auslegerplatten und die direkt wie Spanten und Kiel zusammenzustecken und festzukleben (Die Ausleger müssen dann etwas breiter gefertigt werden, müsste man ausrechnen). Dann hätte man beim Beplanken an dieser Stelle etwas zirkeln müssen, aber das wäre sicherlich einfacher, als jetzt nachträglich mit Kleber und Glasmatte für Stabilität zu sorgen:

      IMG_5791.jpg

      Wir werden deshalb auch die Bordwand durchbrechen und je zwei Kanthölzer quer unter die Ausleger setzen. Die Kanthölzer werden innen mit den Spanten verklebt oder verschraubt. Das passiert am vordersten Spant, der noch neben dem Ausleger liegt und am hintersten neben dem Ausleger. Evtl. lassen wir die quer von Ausleger zu Ausleger durch das ganze Boot gehen, da muss ich aber wegen des Motoreinbaus nochmal nachdenken.

      IMG_5792.jpg

      Soviel erstmal von mir, für Hinweise zu der Frage bzgl. der Glasmatten wäre ich dankbar.

      Die DXF-Dateien kann ich übrigens bereitstellen, ich schicke eine PN. Ich weiß nicht genau, ob ich die in die Filebase laden darf, weil sie ja auf einem kommerziellen Plan basieren.

      Viele Grüße,
      Thomas
    • Das mit den Matten war richtig. Erst die schwere dann die leichte. Spart ein wenig spachteln. Die Stützen würde ich erst nach dem laminieren anbringen. Kannst sie aber mit dem 25g Gewebe belegen, dann sind sie wasserfest. Danach mit 5 min. Epoxidharz ankleben. Das hält. Ob erst Matte und dann Harz oder umgekehrt ist Geschmackssache. Die Matte muss vollständig durchtränkt sein, dann klebt sie auch. Am besten belegst du den Rumpf erst Mal trocken mit dem Gewebe und machst dir gedanklich einen Plan wie das am besten klappen kann. Da du ja eh die Fugen verkleisterst ist der Rumpf eh schon mit Harz benetzt.
      VG Ferdinand