Freie Rennklasse "C", Seeadler nach Artur Tiller ca. 1930er Jahre

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Freie Rennklasse "C", Seeadler nach Artur Tiller ca. 1930er Jahre

      Vor über 50 Jahren machte ich über einen Mitschüler Bekanntschaft mit einem Plan einer Modellrennyacht der freien Rennklasse "C", gezeichnet von dem Yachtkonstrukteur Artur Tiller. Diese Yacht zeichnet sich durch eine unglaubliche Eleganz aus. Sie ist 161cm lang, 24,7cm breit, geht 27cm tief, und verdrängt 7,2kg bei 0,51qm Segelfläche.
      Wie damals üblich, wurde auch der "Adler" als sog. Freifahrer konzipiert, d.h. Das Schiff wurde auf einen Kurs eingestellt, sodass es sturheil seinen Kuras hält. Der stolze Eigner musste dann um den Modellteich herumlaufen und das Schiff am anderen Ufer in Empfang nehmen, auf den neuen Kurs einstellen und lossegeln lassen.
      Plan1.jpg

      Damals war es mir nicht möglich, dies Yacht zu bauen, aber nun sollte es sein!
      Ich besorgte mir einen Plan, die es nur noch selten gibt, und wenn zu horrenden Preisen, und digitalisiert den Linienriss. (mittlerweile habe ich 3 Pläne, darunter auch einen völlig unbenutzten...)
      Da sich mittlerweile auch die Bauweisen im Modellbau verändert haben, wollte ich die Spanten den heutigen Bedürfnissen anpassen.

      Mit Delftship pro wurde dann aus dem Linienriss ein 3D Modell erstellt.

      2.png1.png3.png

      Im AutoCad zeichnete ich dann die Bauteile, die dann gefräst wurden.

      4.PNG







      1.jpg

      So sieht das fertige Gerüst nun aus.3.jpg
      Beplankt wird mit 3mm Balsa, Laminat 160g /Epoxy.
    • Hallo Axel,
      tolles Projekt!
      Das erinnert mich sehr an den Bau meines Kutters " Karla " von A. Tiller. Allerdings hatte ich damals weder " Autocad " noch eine Fräse zur Verfügung. Bei mir ging alles noch mit Laub - und Dekupiersäge. Die Spant - und Kielkonturen habe ich seinerzeit noch mit Hilfe mehrerer Fotokopien aufs Holz übertragen.
      Ich freue mich schon auf deinen Bericht.
      Gruß, Manfred
    • P2083638.JPG

      Die gefräste Helling dient lediglich als Positionierhilfe der Bauteile und muss zwingend notwendig auf eine kräftige Platte geschraubt werden.

      P2083644.JPG

      Der Kiel ist mehrteilig ausgeführt, und wird mit Klipsen zusammengezogen.

      P2083641.JPG

      Obwohl das Gerüst durch die gesteckten Verbindungen zur Helling nahezu selbstausrichtend ist, wird die Ausrichtung genau kontrolliert.

      P2083645.jpg

      Die Spantpositionen sind so angelegt, dass ein Schmiegen der Spanten nicht erforderlich ist.
      P2083646.jpg

      Eine darübergelegte Leiste schmiegt sich harmonisch in die Form.
    • P2143675.JPG

      Der Balkweger kann nun angepasst werden.

      P2143676.jpg

      Er folgt der Form und wird am Vorsteven entsprechend angeschrägt.

      P2143677.JPGP2143678.jpg
      So kann später die Beplankung exakt aufgebracht werden.
      P2143679.JPG

      Ebenso wurde der Ausschnitt des Balkwegers im Spant leicht geschmiegt, damit er sich in die Rumpfform integriert. So erspart man sich unnütze Schleiforgien.P2143674.JPGP2143680.JPG
    • Wenn der Balkweger verklebt ist, kann das ganze Gerüst mit einem flexiblen Schleifbrett kurz übergeschliffen werden, und mit der beplankung begonnen werden.

      P2143688.JPG
      Hier beginne ich am Kiel.

      P2143689.jpg

      Die Beplankung besteht aus 3mm Balsa, das ich mir mit einem Leistenschneider so, wie ich es Brauche, zurechtschneide. Hier habe ich eine Breite von ca. 15mm. So geht der Rumpfbau recht schnell voran.
      P2143695.JPG
      Ebenso schnell geht das anpassen der Leisten.
      Die Leiste wird angelegt, der Überstand am Kiel mit Bleistift markiert,

      P2143698.JPG

      Mit einem Stahl-Lineal verbunden und abgeschnitten.
      P2143702.JPG

      Dranhalten und passt. Der Kiel/Steven steht etwas über die Beplankung hinaus und wird später mit der Beplankung in Form geschliffen.

      P2153703.jpg

      Das Balsa wird gegen Macken der klipse mit Leistenresten geschützt.
      Ich verklebe die Planken mit nur einem Tropfen Ponal auf den Spanten, wenn ich später laminiere wird alles großflächig verklebt.
    • P2153705.JPGP2153706.JPG

      Wenn nun die Beplankung des Unterwasserschiffs soweit "steht", wird die Aufdoppelung des Skegs angebracht. Hier ist das Originalruder angeklipst. Wie sich herausstellte, ist das für ein RC-Modell völlig ungeeignet, aber bevor ich anfange, irgendwas zu modifizieren, probiere ich erstmal das Original aus.


      P2153708.JPGP2153709.JPG

      Da ich sehr breite Planken verwende, sieht es erstmal recht grob aus. Nach ein paar Zügen mit dem Schleifbrett ist das aber schnell recht glatt.

      P2153713.JPG

      Der Spiegel musste ziemlich stark geschmiegt werden.

      P2153716.JPG

      Bei 3mm Materialstärke hat man ausreichend Schleiffutter.

      P2163718.JPG

      Da sich nun die Planken stark verdrehen würden, wenn ich weiter zum Balkweger hin arbeite, mache ich an dieser stelle an der Deckskante weiter, und arbeite den "Bodenplanken" entgegen.

      P2163727.JPG


      Die letzte Leiste ist schnell eingepasst und verleimt.
      P2163734.JPGP2163736.JPG
    • P2203749.JPG

      Der Übergang Rumpf/Kiel wird mit Schmalen Leisten erarbeitet, um einen kleinen Radius wie hier am Skeg hinzubekommen, klebe ich auch leisten übereinander und schleife diese dann bei.

      P2203750.JPG

      Mittlerweile ist auch die andere Rumpfseite soweit dicht. Den Kiel habe ich diagonal beplankt, eine selten dämliche Idee....
      Mit einem flexiblen Schleifbrett wird nun der Rumpf geglättet.
      Der Anteil für den Bleiballast habe ich ausgespart.
      P3053775.JPG

      Es kostet nicht viel Mühe, Balsa glatt zuschleifen.
      P3053777.JPG

      Der Ausgesparte Teil vom Kiel soll als Form für den Ballast dienen. Dazu werden die Spanten horizontal zur Aufnahme eines Brettchens geschlitzt.

      P3063780.JPG

      Eine Folie verhindert das festkleben des Brettchens mit dem Rumpf.
      P3063781.JPG
      Dera Ballast wurde vorher zeichnerisch auf die Kielplatte übertragen, die Maße habe ich dem Plan entnommen.
      P3093784.JPG
    • Mit einfachem Schaum (Trittschalldämmung) wurde der Ballast modelliert.

      P3093785.JPG

      P4083839.jpg

      Die Schichten wurden einigermassen passend zugeschnitten und mit Ponal verklebt.

      P4083841.JPG

      Natürlich wurde nach dem beschleifen auch etwas nachgespachtelt...
      P4113842.JPG

      ...anschliessend konnte die Form abgesägt werden.

      P4113844.JPG

      Für die weitere Abformung wurde der Schaum mit Klebeband umwickelt

      P4113846.JPG
      ...damit der Formgips nicht kleben bleibt.

      P4113850.jpg

      Das Positiv wird dann mehr oder weniger vollständig herausgebrochen.
      P4113851.JPG

      Ein Volumentest mit Wasser bringt endgültige Klarheit, es gehen gut 450ml wasser in die Form, d.h. ich kann locker 4,5kg Ballast vergiessen.

      P4203863.JPG

      Um nun eine Gußform herzustellen, die häufiger verwendet werden kann, entschloss ich mich, den Ballast nochmal in Silikon abzuformen.
    • Der sauber verschliffene Rumpf wird nun fürs laminieren vorbereitet.
      Das Gewebe, hier 160er Köper, wird derart fixiert, dass beim Harzauftrag nicht verrutschen kann.


      PA074745.JPG

      PA074746.JPGPA074747.JPG

      Zuerst wird der Kiel laminiert.
      Dann nochmal extra die Kielsohle. Das Blei soll ja auch halten...

      PA074748.jpg

      Das laminat wird zum Rumpf hin fein auslaufend angeschliffen, dann wird die zweite Lage über den ganzen Rumpf angelegt.
      Da, wo das Gewebe falten wirft, wird das Glas eingeschnitten und mit Sekundenkleber fixiert.

      PA094750.JPG
      PA124754.JPGPA124755.JPGPA124756.jpg

      Das Harz wird sparsamst tupfend mit einem Pinsel aufgetragen, Überschüsse (Pfützen) werden abgenommen.

      Da ich die Hellingfüsse immer mit einem Tropfen Heisskleber auf der Helling fixiere, kann ich nun diesen erwärmen, entfernen und somit das ganze Gebilde von der Helling nehmen.
      PA134758.JPG

      PA134760.JPG

      So stellt sich der Rumpf auf seinem (verstellbaren) Ständer dar.
      Zum weitern bearbeiten kann der Rumpf auf die Helling zurück gestellt werden.
    • Hallo Axel,

      na hier haben sich wohl zwei Tillerfans getroffen.
      Ich habe fünf Pläne von Tiller aus den 1933 igern.
      Sie waren mal in einem Heftchen vom Ravensburger Verlag (Spiel und Arbeit).
      Meine stammen aus dem Heft 141.
      Ich habe sie dann vor gut 20 Jahren mal scannen lassen und habe auch eine NAchdruckgenehmigung vom Verlag dafür.
      Nach einem der Pläne habe ich den Schoner Hamburg gebaut - in Schichtbauweise (s.Avartar).
      Aber nicht aus Holz, sondern aus Styrodur.. Leider habe ich damals verpasst Baustufenfotos zu machen.
      Überzogen wurde er dann mit Glas/Epoxy.
      Er segelt prima.
      Moin zusammen,

      ich bin der Neue und absoluter Tiller Fan

      Derzeit fahrbar
      der Schoner Hamburg
      ein Optimist
      die Optimist von Graupner
      Ariane von Schaffer
      Schnellboot Dachs von Graupner (Bj. 1971)


      In der Werft
      Riva Aquarama Spezial
    • Nun, die Geduld?
      Man lernt die mit zunehmender anzahl der Bauten.
      Wobei ich schon ziemlich luschig bin, wenn ich z.B. die historischen Modellbauer herannehme mit Details, die mich verzweifeln lassen würden. Ich will auch irgendwann mal segeln.
      Hier entsteht der Prototyp des "Seeadlers" und diente dazu, die Frästeile zu optimieren, oder Fehler auszumerzen.

      Zum Ballast.
      Ja, man könnte eine Bombe drunterbauen, die den Schwerpunkt weiter nach unten bringt. Konstruktiv kein Problem.
      Seinerzeit gab es die "Bomben" auch, und auch geteilte Lateralpläne.
      Die schiffe waren bei den 1:1ern so erfolgreich, dass sie über die (Vermessungs-)Formeln bestraft wurden, damit die konventionellen Yachten gegen sie nach berechneter Zeit konkurrenzfähig blieben...
      Letztlich resultierten aus den Formeln Rumpfformen, auch Kielformen, die nicht unbedingt "Schnell" waren, sondern in die Formel passten, also eine 8m R-Yacht auch einen Rennwert von 8 hatte. Ebenso hatten die Schärenkreuzer ihre Konstruktionsvorschriften, die penibels eingehalten werden mussten.
      Somit war "traditionell" eine Kielform etabliert, die über die Jahre kaum modifiziert wurde, weil Fortschritt bestraft wurde.
      Merke: eine Vermessungsformel steht dem Fortschritt immer im Weg, so Artur Tiller.
      In diesem Fall ist der Ballast so konstruiert, dass der Schwerpunkt des Bleis exakt unter dem Verdrängungsschwerpunkt des Rumpfes liegt.

      P6258503.JPG

      Es gibt Modellbauer, die an die Tiller-Risse Zusatzkiele angebaut haben, um "moderne" Segeleigenschaften zu erhalten.
      Mir kommt es darauf an, einen klassischen Riss eines hervorragenden Modellyachtkonstrukteurs (Tiller hat auch reichlich 1:1 Yachten gezeichnet und gebaut, er konnte also schon etwas..) so in die moderne Zeit zu bringen, dass der Riss nicht verändert wird, sorry, aber diese Linien verbesser ICH ganz bestimmt nicht. Und es ist auch nicht erforderlich.
      Was ich gemacht habe, um mal auf den Ballast zurückzukommen, ist: den Riss aus dem Original zu übernehmen, 3D komplett auszustraken, den Rumpf möglichst leicht zu bauen, dann mehr Ballast einzusetzen, also den Ballastanteil deutlich zu erhöhen.
      Ob da nun eine Bombe besser ist? Das probiere ich nicht, das überlasse ich anderen.
    • Walzblei vom Dachdecker wird auf dem Holzkohlegrill geschmolzen.


      P1064847.JPG

      Die Gipsform ist beim vorwärmen gerissen, deswegen die Zwingen, die die Form zusammenhalten. Besser: Formsand, ölgebunden. Das ist Narrensicher, der Gips kann bei Restfeuchte explodieren!!!!
      P1064851.JPG
      Das Blei wurde in mehreren Schichten gegossen, was nicht gut ist, die Schichten verbinden sich nicht! 5kg Blei am stück einhändig zu vergissen war mir zu riskant.
      P1064852.JPG

      Es folgt nach dem abkühlen die anprobe des Gußstücks.

      P1064853.jpg

      Diese wird ordentlich verklebt mit angedickten epoxy und überlaminiert. Das sollte halten.
      P2024889.JPG
      nun sitzt es wirklich fest auf dem Kiel!
      P2024890.JPG
    • Nun soll der Schwimmtest erfolgen, eine Schnur ist die Rückholgarantie...

      P2044895.JPG

      Der örtliche Kreidesee ist dafür ideal!
      P2044897.JPG

      P2044910.JPG
      P2044915.JPG

      Unschwer zu erkennen, dass der Rumpf zwar schön gerade auf der Wasserlinie liegt, aber noch Gewicht in Form von Deck, RC, Rigg und auch Lack braucht.
      Ich war mit dem Test schon sehr zufrieden!
    • P2074924.jpgP2074925.jpg

      Wieder zurück, kommt der4 Rumpf wieder auf die Helling und bekommt etliche Schichten epoxy, um die Oberfläche glätten zu können. Die Schichten müssen sehr lange durchhärten, bis sie wirklich gut zu schleifen sind. Da ich aber hier den Prototyp baue, mache ich da nicht so furchtbar viel aufhebens drum.

      P6095386.JPGP6095387.JPG
      Die Wasserlinie wird einfach mit Pin- Stripes aufgeklebt

      P6105388.JPGP6105389.jpgP6115405.JPG

      Wie schon fast traditionell bei mir, wird das Unterwasserschiff moosgrünn lackiert.
      P6115406.JPG
      Nach dem entfernen der Hellingfüsse werden die Decksstringer eingezogen.
      P6125410.JPG
    • Neu

      Hallo zusammen
      auch ich bin ein Tillerfan.
      An dieser Stelle möchte ich mich gleich einmal bei Axel bedanken für das erstellen eines Bauberichtes.
      Somit bekomme ich eine saubere Grundlage um einen Seeadler aus seiner Fräse zu bauen.
      Ich hoffe, dass an gegebener Stelle auch noch technische Sachen angesprochen werden wie etwa Mastposition (bin mir nicht sicher, habe aber an anderer Stelle möglicherweise gelesen, dass Du den Mast aus der ersten Position etwas weiter nach vorne versetzt hast). Ansonsten bin ich mit auf der ersten Sitzreihe und verfolge den Bericht weiter.

      Gruss an alle Fans von Axel

      Andreas
    • Neu

      Danke, aber ich denke es sollte eher "Tiller Fans" heissen...

      Das Deck wird auch in Balas gebaut
      P6135411.jpg

      Da es ebenfalls laminiert wird, müssen die Leisten nicht zwingend dicht aneinander sitzen.



      P6135415.jpg

      P6135420.JPG

      Die RC Anlage wird unter einem Schiebeluk versteckt.
      Am Laminat sieht man den sehr sparsamen Harzauftrag

      P6155476.JPG


      P6155479.JPG

      Die Ruderanlenkung steckt unter einem separaten Luk.
      P6225553.JPG