Restauration meiner ersten Segelyacht

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    • Restauration meiner ersten Segelyacht

      Moin zusammen,

      beim Seeadler geht es im Moment nicht weiter, weil ich auf Zubehör und Segel warte.
      Deshalb habe ich letzte Woche mit der Restauration meiner ersten 1m-Segelyacht begonnen, die ich mit 16 oder 17 Jahren gebaut habe.
      Na ja, genau genommen fertiggebaut habe, ich hatte sie von einem Schulfreund übernommen, der schon ein paar Planken drauf hatte, gut zu erkennen, er hatte genagelt, ich nicht.

      Ich glaube mich zu erinnern, dass das Boot Seemöwe hieß, den Plan habe ich leider nicht mehr.
      Ich hoffte jetzt schon, es könnte die Seemöwe von Tiller sein, aber das ist sie wohl doch nicht.
      Insbesondere die Form des Kiels ist anders.
      Den Skeg hatte ich abgesägt, als ich einen Motor nachrüstete. Das Ruder hatte ich vergrößert.
      Leider auch den Großsegel-Lappen nach hinten verlängert, also alles falsch gemacht.
      Dazu war das Ding nie ganz dicht. Nach dem Segeln hatte ich es immer umgedreht und das Wasser rauslaufen lassen.
      Die Kajüte hatte ich frei Schnauze gebaut, der Plan hatte nur eine Luke.
      Das Boot ist 2008 zum letzten Mal gesegelt.

      Da es noch ein paar Fragen gibt, mache ich einen kurzen Bericht.
      Habe erstmal abgetakelt, die doppelte Beplankung des Überwasserschiffs entfernt, Deck und Kajüte ebenfalls entfernt.
      Ein neuer Skeg war schnell gemacht und nach dem Vorbild der Seemöwe etwas in Richtung Bug versetzt. Dazu ein neues Messingrörchen für das Ruder.
      Dann denn Rumpf zum Laminieren vorbereitet und gestern eine 80g Matte laminiert.
      Jetzt wird also erstmal weiter geharzt und geschliffen ....
      Das Problem Undichtigkeiten ist damit schon mal abgehakt.
      Da die Beplankung nicht schön ist, werde ich den Rumpf farbig lackieren, über Wasser weiss, unter Wasser ein dunkles rot.
      Das Deck will ich wie beim Seeadler machen, Leisten sind noch genug da, der Aufbau wird auch wieder im Stil eines Schärenkreuzers.
      Neue Segel werde ich erstmal selbst kleben, da mir insbesondere die Größe des Großsegels des Originals nicht bekannt ist.
      Wenn es dann passt, kann ich immer noch Segel bei Latsch machen lassen.
      Vielleicht kennt jemand diese Rumpfform?
      (Das erste Bild zeigt eine Seiten Ansicht der Seemöwe von Tiller)

      Schönen Abend noch, werde weiter berichten bzw. Fragen stellen.
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    • So, die erste Lackschicht erstmal in weiss ist drauf. Das Harzen ging diesmal wesentlich einfacher und schneller.

      Dann habe ich ja noch das Problem mit dem damals vergrößerten Großsegel.
      Beim DSV RC-Segeln habe ich eine einfache Anleitung zur Stabilitätsberechnung gefunden.

      Danach ermittelt man den Lateralschwerpunkt, indem man das Boot bis zur Wasserlinie eintauchen lässt und mit dem Finger zu Seite schiebt. Wenn sich das Boot beim Schieben nicht mehr wegdreht, hat man den Lateralschwerpunkt gefunden. Man kann das auch noch in Schräglage machen.
      Das habe ich gerade ausprobiert und den Punkt markiert.
      In der beigefügten Skizze sieht man, wie der Segelschwerpunkt ermittelt wird. Der Schwerpunkt der einen einzelnen Segel ergibt sich aus den Seitenhalbierenden und der Gesamt-Segelschwerpunkt nach der Formel (Skizze).
      Den Segelschwerpunkt der Skizze habe ich mal ermittelt und in rot eingezeichnet.

      D. h. ich kann mit den alten Segeln den Segelschwerpunkt ermitteln und dann das Großsegel soweit anpassen, bis der Segelschwerpunkt etwas vor dem Lateralschwerpunkt liegt.
      Damit wäre Fehler Nr. 2 des Boots ausgemerzt.

      Ist diese Vorgehensweise so in etwa richtig?
      (Muss nicht perfekt sein, ich werde den Mast verstellbar machen)
      Aber so hätte ich schon mal einen Ansatz.
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    • Moin Iring,
      schönes Modell, was Du da gebaut hast! Aus dem Handgelenk hätte ich jetzt die "Seemöwe" vermutet, die ist aber im Original in Schichtbauweise. Ich müsste mal durch meine Sammlung wühlen, welche Klasse "F" das ist. Bei den alten Plänen muss ich ganz vorsichtig sein, damit die nicht auseinanderfallen.

      Die Vorgehensweise ist vom Grundsatz richtig.
      Am besten hat mit aber gefallen, dass der Propeller weg ist, Mopped braucht bei einem Segler kein Mensch....

      Auch gut: da Ruder ist ab, und den Skeg braucht man nicht wirklich.
      Man darf aber nicht vergessen, dass dass Tiller (und andere) Freifahrer gezeichnet haben, die eben nicht gesteuert werden konnten, sondern eben auch geradeaus fahren sollten und auch mussten.
      Das Ruder ist für den RC- Gebrauch völlig untauglich, wie ich auch beim Seeadler feststellen musste. Ich hatte da alles wie im Original gebaut, das Schiff segelte zwar gut, war aber mit dem Ruder kaum durch den Wind zu bringen.
      Deswegen habe ich da ein Spatenruder gezeichnet, das Du ja auch gebaut hast.
      Ähnlich würde ich hier auch verfahren, das Ruder sollte schon lang und schlank sein, mit vergleichbarem Seitenverhältnis wie beim Adler.

      Die Freifahrer haben aber auch noch einen zweiten Haken: sie sind perfekt ausgetrimmt zum Kurshalten.
      Will sagen: Segel-bzw. Lateraldruckpunkt stehen, was Du ja auch richtig gemacht hast, in einem bestimmten Verhältnis zueinander. Man ist früher davon ausgegangen, dass LDP und SDP direkt übereinanderliegen müssen, damit der Dampfer neutral segelt. Da die Systeme aber variabel sind, endet das meist in einer grandiosen Luvgierigkeit.
      Jetzt besteht hie Kunst darin, ein Rigg zu entwickeln, das einen guten Kompromiss zwischen Kursstabilität und Wendigkeit bietet.

      Auch hier machst Du das richtig, wenn Du Dir erstmal "provisorisch" Segel klebst, die werden allemal besser sein als die jetzigen. Herr Jakobtorweihen hatte mir vor Jahren den Tipp gegeben, erstmal einfach Folien zu verwenden, ob nun mit leichter Vorlieksrundung oder nicht, ist erstmal relativ wurscht, zum probieren für später reicht das.
      Ich würde mich bei den Segeln eher von der Fläche leiten lassen, und das antiquierte Rigg in ein schlankeres umbauen.
      Einer meiner Kunden hat letztes Jahr den "Sturmvogel" von mir gebaut, und wollte ein Rigg ähnlich eines Schärenkreuzers.
      Hier mal das Original:

      CCE00001.jpg
      Es ist also der typische Segelriss der Yachten aus den 40er Jahren.
      Aus Delftship habe ich den LDP in die Zeichnung übertragen, und man sieht, dass SDP ca.8-9% der CWL vor dem LDP liegt. Das sind einfach erfahrungswerte für schnellere Segler, dicke Brocken haben da ein geringeres Verhältnis.
      Ausgehnd von diesen Schwerpunkten habe ich ein neues Rigg gezeichnet:

      CCE00000.jpg
      Das Groß ist deutlich gestreckter, die Fock geht etwas höher, und der Mastfall beträgt hier so bei 10 Grad (Masten stehen selten senkrecht).
      Obwohl das Rigg sich deutlich verändert hat, sind die Flächen und Schwerpunkte in der Summe gleich.
      Latsch baut die Segel aktuell, bin sehr gespannt wie der Dampfer damit läuft.

      Ich hoffe, ich konnte Dir ein paar Hinweise geben, die Dir weiterhelfen!
    • Super Axel, vielen Dank, das hilft mir sehr weiter.

      Ja, der Propeller:
      Den hatte ich damals aus der Not heraus eingebaut, weil es oft ein Zitterspiel war, ob man um die Kurve kommt. Es war, wenn ich mich richtig erinnere sowohl Wende als auch Halse problematisch, insbesondere bei etwas stärkerem Wind. Zuerst hatte ich einen Motor komplett mit Getriebe von meiner alten Lego-Eisenbahn drin, zur Verbindung an die Welle ein Kardangelenk aus meinem Legotechnik-Kasten (ich war ja Schüler, keine Kohle...)
      Das hat sogar funktioniert, war mir dann aber zu langsam, dann kam ein 600 Speed rein!
      Einen Akku hatte ich natürlich nicht, da musste Vaters Akku-Schrauber herhalten.

      Auf die Idee am Rigg etwas zu ändern, bin ich wohl damals nicht gekommen.
      Eine selbstgebastelten Winde aus einem Conrad-Getriebemotor hatte ich auch mal drin.
      Natürlich ohne Endlagen, nur nach Sicht betätigt.

      Das Ruder:
      Eben, so habe ich mir das gedacht, vom Seeadler herunterskalieren.
      Und ich glaube ziemlich sicher, das das Boot als Freifahrer konzipiert war und somit ursprünglich ein ziemlich kleines Ruder hatte. Das hatte ich immerhin erkannt, dass es größer werden muss.
      Hätte es allerdings in der Tiefe ändern müssen und nicht in Längsrichtung.

      Sehr interessant für mich:
      Ich kann ein neues Rigg planen, ich hätte jetzt das alte, was Abmessungen angeht, angepasst.
      Ich werde heute Abend mal zum Spaß den Segelschwerpunkt des alten Riggs ermitteln, dann wird schon klar werden, warum der Dampfer so schwer um die Ecke kam.

      Was meinst du, wieviel sollte der Segelschwerpunkt vor dem Lateralschwerpunkt liegen, wenn das Boot neutral segeln soll?
      Kann man das ungefähr abschätzen?
    • Wie ich oben schrieb, würde ich so 8-10% CWL anpeilen.
      Wie im Plan zu sehen, ist mit einer Mastschiene nach vorn noch einiges möglich.
      Da muss man halt sehen, wie der Dampfer segelt, und sich ein paar Stunden zum trimmen Zeit nehmen, man sieht dann, welchen Einfluss manche Parameter haben, und kann so den Dampfer optimal trimmen.
      Eine Trimmanleitung gibt es bei RG 65, oder bei Diekow Segel.
    • Die Segel sind meist das Hauptproblem.
      Oft (meist!) werden sie als notwendiges Übel betrachtet, das man man eben selber näht. Da spart man am Material, nimmt irgendeinen Stoff (Hemdenstoff habe ich auch schon erlebt, oder Mako Baumwolle...), und wundert sich dann dass das Tuch mehr Querkraft als Vortrieb erzeugt.
      Erst ein guter Segelschnitt lässt das Schiff vernünftig laufen.
      Oder meint jemand, dass ein F1 Bolide mit Tretantrieb 400km/h läuft?

      Wenn die Segel etwas optimaler ausgelegt werden, kann das nur zum Vorteil sein.
      In der Aerodynamik hat sich in der Vergangenheit ja sehr viel getan, die alten Segelrisse können heute deutlich wirkungsvoller gestaltet werden, ohne dass die Vintage Optik drunter leidet, das kann man behutsam machen.

      Aber es kommt eben eins zum anderen, Dein Schiff ist im damaligen Zeitgeist entstanden, heute kann man da anders machen, man sollte allerdings im Stil der Zeit bleiben, und evtl. Modifikationen unauffällig durchführen.
    • Ja, das leuchtet ein.
      Mehr Querkraft als Vortrieb, dann nimmt das Boot keine Fahrt auf und man muss sich nicht wundern, wenn die Wende nicht funktioniert.
      Ich werde nochmal den Lateralschwerpunkt und CWL im Wasser prüfen und dann ein Rigg planen, das 8-10% der CWL erfüllt.
      Dazu den Mast und Fock einstellbar, dann sollte das in Griff zu bekommen sein.

      Das war wieder sehr lehrreich, danke Axel.
    • So, jetzt passt meine Vorstellung zur Segelauslegumg wieder zusammen (gestern etwas verwirrt).
      Habe heute die Wasserlinie festgelegt, d.h. Rumpf in die Badewanne gesetzt, 800g-Akku als Ballast dazu und das Freibord gemessen.
      Dann den Rumpf aus dem Wasser genommen, ausgerichtet, die Wasserlinie angezeichnet und gleich lackiert.
      CWL beträgt ca. 800mm (gestern 680 angenommen)
      Außerdem habe ich nochmal den Lateralschwerpunkt geprüft. Diesmal den Rumpf mit einen Leistchen quer durchs Wasser geschoben (letztes Mal mit dem Finger).
      Der wandert etwa 10mm nach vorne.

      Mit diesen Werten liegt der Segelschwerpunkt mit den alten Segeln nur noch ca. 36mm vor dem Lateralschwerpunkt.
      Also zu wenig, es sollten zwischen 64mm und 80mm sein.
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    • So, genug Horrorgeschichten, das Deck ist größtenteils wieder drauf.
      Die Leisten sind natürlich für das Boot zu breit, aber hier geht es auch um Resteverwertung.
      Die Restauration wird damit gemacht, was vom Seeadler übrig ist.
      Der Mast kann +- 30mm versetzt werden.
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    • Moin zusammen,

      das Deck habe ich gerade laminiert, wie immer mit möglichst sparsamen Harzauftrag.
      Diesmal wusste ich ja, dass die Esche nach dem Laminieren etwas „unruhig“ oder „farbenfroh“ rüberkommt. Da bin ich dann nicht mehr wie beim Seeadler hintenrübergefallen..
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    • Beim Holz kann man sich schon etwas verhauen... Ich würde auch nie wieder das düstere Mahagonie nehmen, sondern etwas hellere alternativen mit feiner Maserung.
      Ein Kollege, für den ich eine Vindö 32 gezeichnet habe, wollte ein Original Teakdeck bauen. Nach Rücksprache mit einem Freund habe ich ihm davon abgeraten, weil es vom Maßstab her nicht so gut passt.
      Ein Deck aus Erle würde da deutlich besser passen.


      Hier einmal im Bau und einmal geölt. Wobei mir die heller version deutlich besser gefällt, kommt dem vergrauten Teak sehr viel näher. Modell: 8m R Yacht Germanis III in M 1:7.5

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